Mittwoch, 05.07.2017

Ein gesunder Sport, aber …

Kraft und Ausdauer durch Schwimmen

Dr. Peter Daum, Facharzt für Orthopädie, Mitglied der Regensburger OrthopädenGemeinschaft

Dr. Peter Daum, Facharzt für Orthopädie, Mitglied der Regensburger OrthopädenGemeinschaft

Weitere Infos: www.daum-orthopaedie-regensburg.de

Beim Schwimmen trainiert man eine Vielzahl von Muskeln, fördert die Beweglichkeit der Gelenke, ohne diese stark zu belasten, und hält durch das Ausdauertraining Herz und Kreislauf fit.

Wer hat von seinem behandelnden Arzt noch nicht die Empfehlung bekommen, sich durch Schwimmen fit zu halten? Schwimmen, mit der korrekten Technik und Intensität durchgeführt, gehört zu einer der gesündesten Sportarten. Durch den Auftrieb im Wasser werden die Gelenke nur gering belastet, sodass auch „an Land“ schmerzende Gelenke im Wasser gut bewegt werden können.

Kraft und Ausdauer bestens kombiniert

Diese Bewegung im Wasser, sei es durch Schwimmen oder auch durch Aquajogging, trainiert eine Vielzahl von Muskeln, welche außerhalb des Beckens nur durch eine Kombination verschiedener Trainingseinheiten aktiviert werden könnten. Durch das Training der Ausdauerleistung ergibt sich auch ein positiver Effekt auf das Herz-Kreislauf-System und auch eine Gewichtsreduktion lässt sich hierdurch erreichen.

Voraussetzung hierfür ist, obwohl es banal klingt, dass man schwimmen kann. Und damit ist nicht nur gemeint, dass man sich über Wasser halten kann, sondern auch, dass man die Technik des jeweiligen Schwimmstiles beherrscht. Gut ist es, zwischen den einzelnen Arten wie Brust-, Kraul- und Rückenschwimmen zu wechseln, um möglichst viele verschiedene Muskeln anzusprechen. Aber wer nur einen Schwimmstil beherrscht, der sollte dabei bleiben. Um eine gute Lage im Wasser zu erreichen, ist ergänzend auch das Tragen einer Schwimmbrille von Vorteil.

Gute Technik ist eine wichtige Voraussetzung

Doch wo lauern die Gefahren? Zunächst kann man, wenn man die falsche Technik anwendet, muskuläre Probleme bekommen. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Brustschwimmen. Bei zu weit aus dem Wasser herausgerecktem Kopf kann es, durch die hiermit verbundene Körperhaltung, zu Muskelschmerzen an der Hals- und auch der Lendenwirbelsäule kommen.

Direkte Verletzungen durch Unfälle sind eher selten. Ein hohes Verletzungsrisiko besteht bei Sprüngen in Untiefen. Man muss also vor einem Sprung ins Wasser immer die Wassertiefe kennen, auch im Schwimmbad! Stürze auf nassem Boden können ebenfalls zu Verletzungen führen. Aber auch im Wasser kann es durch Tritte oder Schläge, z. B. beim Trainieren auf einer vollen Bahn, zu Verletzungen an Kopf und Armen kommen.

Im Leistungssport hingegen besteht ein deutlich höheres Risiko für Verletzungen. Bei diesen Verletzungen handelt es sich in der Mehrzahl um Überlastungsschäden, welche durch die hohe Trainingsintensität im Wasser verursacht werden. Da Leistungsschwimmer aber auch viel Ausdauertraining an Land, z. B. Laufen, betreiben, besteht auch hierdurch ein erhöhtes Verletzungsrisiko. Deshalb sind z. B. Bandverletzungen am Sprunggelenk bei Schwimmern nicht selten. Aber auch durch Kraft- und Athletiktraining kann es zu Überlastungen von Muskeln, Sehnen, Gelenken und Knochen kommen.

Die folgenden Beispiele sollen Ihnen die wichtigsten Erkrankungen des Leistungsschwimmers näherbringen:

Schwimmerschulter

Durch chronische Überlastung des Schultergelenks – am häufigsten auch im Rahmen von Trainings- oder Technikumstellungen – kann es durch immer wieder auftretende kleine Verletzungen, sogenannte Mikrotraumen, zu einer Instabilität des Schultergelenks kommen. Ebenso treten häufig Impingementsyndrome auf, welche mit Sehnen- oder Schleimbeutelentzündungen, aber auch mit Teileinrissen der Rotatorenmanschette einhergehen können. Kraul- und Delphinschwimmer sind hiervon besonders betroffen. In diesem Fall müssen die Belastung reduziert oder völlig unterlassen und oft entzündungshemmende Medikamente eingenommen werden. Der Einsatz von Kortison sollte aber unbedingt vermieden werden. Der Physiotherapeut kann durch eine Anleitung zum gezielten Muskeltraining und zu Dehnungsübungen (insbesondere der hinteren Gelenkkapsel) helfen.

Schwimmerknie

Es tritt häufig bei intensivem Brustschwimmen auf. Hierunter versteht man in erster Linie eine entzündliche Reaktion an der Innenseite des Kniegelenks. Aber auch die Kniescheibe oder der Innenmeniskus können betroffen sein. Als Ursache wird die Außendrehung des Unterschenkels bei gleichzeitiger Streckung des Kniegelenks angesehen. Kommt es zu Schmerzen, sollte die Schwunggrätsche des Brustbeinschlages unterbleiben und auf andere Schwimmstile gewechselt werden. Wie auch bei der Schwimmerschulter helfen unterstützend entzündungshemmende Medikamente und ein gezielter Muskelaufbau mit dem Physiotherapeuten.

Rückenschmerzen

Schwimmen ist doch gut für den Rücken! Warum kommt es dann bei Leistungsschwimmern trotzdem zu Rückenschmerzen? Eine Ursache ist, dass beim Brust- und Delphinschwimmen eine starke Hohlkreuzposition eingenommen wird und es hierdurch zu Überlastungen an der Lendenwirbelsäule kommen kann. In diesem Fall sollten andere Schwimmstile bzw. andere Trainingstechniken angewendet werden und die tiefliegenden Muskeln an der Lendenwirbelsäule gezielt trainiert werden. Diese Überlastungsbeschwerden sollten den Freizeitschwimmer nicht davon abschrecken, sich mit diesem Sport fit zu halten, im Gegenteil! Es ist aber ratsam, dass Sportler mit Leistungsambitionen bei Beschwerden den behandelnden Arzt aufsuchen, um einen chronischen Überlastungsschaden zu vermeiden.

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