Samstag, 18.02.2017

Schmerzen ohne sichtbare Ursachen

Die Kalkschulter

Dr. Peter Daum, Facharzt für Orthopädie, Mitglied der Regensburger OrthopädenGemeinschaft

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Eine Verkalkung der Schultersehne kann sowohl akute als auch chronische Beschwerden verursachen, welche unterschiedlich behandelt werden.

Bei einer Kalkschulter, der sogenannten Tendinosis calcarea, kommt es zu einer Kalkablagerung meist in der Sehne des Obergrätenmuskels (Supraspinatussehne). Der Ort der Verkalkung liegt normalerweise im Ansatzbereich dieser Sehne, einem Areal, welches eine verminderte Durchblutung aufweist. Es ist bisher nicht geklärt, warum manche Menschen eine Verkalkung entwickeln und andere nicht. Ein Risiko hierfür stellen zum Beispiel Überkopfbelastungen dar. Die Kalkschulter ist auch keine typische Erkrankung des alten Menschen, da der Altersgipfel zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr liegt; Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Starke Schmerzen als erstes Symptom

Häufig bemerkt der Patient als erstes Symptom einen starken Schmerz ohne erkennbare Ursache und eine deutliche Bewegungseinschränkung. In diesem Fall hat die Verkalkung eine akute Schleimbeutelentzündung verursacht. Der Patient kann den betroffenen Arm fast nicht mehr heben und klagt über starke Schmerzen, besonders in der Nacht. Jetzt ist eine Schmerztherapie erforderlich, zum Beispiel in Form von entzündungshemmenden Schmerztabletten, oder auch eine Kortisoninjektion in das Schultergelenk. Wenn der Patient danach anhaltend beschwerdefrei ist, benötigt er keine weiteren Therapien, denn eine Schulterverkalkung ohne Beschwerden erfordert keine Therapie! Einige Patienten leiden nach Abklingen der akuten Symptome an chronischen Beschwerden. Selbige äußern sich meist in Form von Bewegungseinschränkungen – oft sind Hoch- und Rückgreifbewegungen erschwert – oder auch als wechselnde Schmerzen. In dieser Phase führt meist Physiotherapie zu einer Beschwerdefreiheit.

Wichtig ist es hierbei jedoch, die beim Krankengymnasten erlernten Übungen regelmäßig zu Hause fortzuführen. Dies ist eine unabdingbare Voraussetzung für den Therapieerfolg. Sollten diese Maßnahmen nicht zu einer Beschwerdefreiheit führen, kann auch eine Stoßwellenbehandlung eingesetzt werden. Hierbei kann das Kalkdepot „zertrümmert“ werden. Bei sehr großen Verkalkungen gelingt meist eine Verkleinerung der Verkalkung. Die Therapie ist erfolgreich, wenn der Patient seinen Arm wieder normal bewegen kann und anhaltend schmerzfrei ist.

Operative Maßnahmen eher selten

Alternative konservative Therapien wie zum Beispiel eine Ultraschall- oder Akupunkturbehandlung, eine neuraltherapeutische oder homöopathische Therapie oder auch eine Röntgenbestrahlung können ebenfalls eingesetzt werden. Selten ist bei Therapieresistenz eine operative Therapie mit Entfernung des Kalkdepots erforderlich. Ein Aspekt sollte nicht unerwähnt bleiben: Sowohl nach konservativer als auch nach operativer Behandlung kann eine Verkalkung erneut auftreten.

Der folgende Fall soll die Behandlungsmöglichkeiten verdeutlichen:

Eine 60-jährige Frau stellte sich mit akuten Schulterschmerzen in meiner Sprechstunde vor. In den letzten Wochen hatte sie bereits leichte Schulterbeschwerden verspürt. Vor 2 Tagen setzten ohne Anlass akute Schmerzen ein, Schmerztabletten und eine Spritze in den Gesäßmuskel durch den Hausarzt halfen nicht. Bei der Untersuchung war der Arm weitgehend bewegungsunfähig, im Röntgen zeigte sich eine deutliche Schulterverkalkung (Abb. 1) und im Ultraschall eine ausgeprägte Schleimbeutelentzündung. Die Patientin erhielt von mir eine Kortisoninjektion in das Schultergelenk und ein neues Schmerzmedikament. Am nächsten Tag teilte mir die Patientin telefonisch mit, dass sie in der letzten Nacht wieder schlafen konnte und auch der Arm wieder beweglich sei. Bei einer Kontrolluntersuchung nach 6 Wochen berichtete die Patientin, dass die akuten Beschwerden komplett vergangen seien, aber noch eine Einschränkung der Rückgreifbewegung bestünde. Aufgrund früherer guter Erfahrungen mit einer Stoßwellenbehandlung wünschte die Patientin keine Physiotherapie, sondern die Durchführung einer Stoßwellenbehandlung. Es wurden, wie meist üblich, 3 Behandlungen durchgeführt. Bei der Kontrolluntersuchung 3 Monate nach der Behandlung konnte die Patientin die Schulter ohne Einschränkungen bewegen, auch die Verkalkung der Schultersehne war nicht mehr nachweisbar (Abb. 2).

Kalkschulter

Die Erkrankung tritt häufiger bei Frauen auf, insbesondere zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. In den Schultersehnen, meist in der Supraspinatussehne, lagert sich Kalk ein. Warum das passiert, ist noch nicht abschließend erforscht. Ein Grund liegt vermutlich in der mangelhaften Durchblutung des Gewebes. Die meisten Patienten leiden an chronischen Beschwerden. In der akuten Entzündungsphase tritt durch Auflösung des Kalkdepots ein massiver Schmerz auf, der mit fast völliger Bewegungsunfähigkeit des Armes einhergeht.

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