Sonntag, 22.07.2018

Nadelöhr Wirbelkanal

Wer beim Gehen alle paar Meter stehenbleiben muss, weil die Beine schmerzen oder taub werden, sollte seinen Rücken untersuchen lassen. Möglicherweise leidet er an einer Spinalkanalstenose. Diese Verengung des Wirbelkanals tritt bei älteren Patienten häufig auf. Meistens ist die Lendenwirbelsäule betroffen.

Wie entsteht eine Spinalkanalstenose?

Der Wirbelkanal schützt das Rückenmark und seine Nerven. Er wird gebildet von Knochen, Bandscheiben, Gelenken und Bändern. Bei einer Spinalkanalstenose engen diese Strukturen den Wirbelkanal ein. Ist die Enge sehr stark ausgeprägt, entsteht ein Druck auf die Nerven. In seltenen Fällen ist die Krankheit angeboren, meist entsteht sie im höheren Lebensalter durch Verschleiß von Bandscheiben und Gelenken. Auch wenn sich Wirbel verschieben (sogenanntes Wirbelgleiten), kann das eine Spinalkanalstenose auslösen.

Welche Beschwerden verursacht sie?

Nicht jede Stenose tut weh! Zwanzig Prozent der über 60-Jährigen haben eine Spinalkanalstenose, aber nur bei ein bis zwei Prozent verursacht sie Probleme. Häufigstes Beschwerdebild ist die sogenannte Claudicatio spinalis, auch bekannt als Schaufensterkrankheit. Beim Gehen werden die Nerven immer weiter gedrückt. Es entstehen Schmerzen, Kribbeln, Taubheit und sogar Lähmungen der Beine. Der Betroffene muss nach einer kurzen Gehstrecke stehen bleiben und sich vorbeugen oder hinsetzen. So entlastet er den Wirbelkanal und die Symptome verschwinden schnell wieder. Beim Radfahren treten keine Probleme auf, da in dieser Position der Wirbelkanal aufgeweitet wird. Dies ist ein wichtiger Unterschied zur gefäßbedingten Claudicatio, die von Durchblutungsstörungen der Beine verursacht wird. Da auch weitere Krankheiten – wie zum Beispiel Polyneuropathie, Hüftarthrose oder Wirbelkanalenge an der Halswirbelsäule – ähnliche Symptome auslösen können, sollte der Patient seine Beschwerden unbedingt von einem Arzt abklären lassen.

Was wird untersucht?

Den wichtigsten Hinweis auf die Ursachen des Problems liefert ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch (Anamnese). Dann folgen die klinische Untersuchung der Wirbelsäule und der Beingelenke sowie die Kontrolle der Nerven und Gefäße. Bei unklaren Befunden sollte eine Überweisung zum Neurologen und Gefäßspezialisten erfolgen. Das Röntgenbild zeigt bereits knöcherne Veränderungen oder Wirbelverschiebungen. Mit Hilfe einer Kernspintomographie (MRT) oder auch gegebenenfalls einer CT-Untersuchung kann schließlich die Weite des Wirbelkanals bestimmt werden.

Wie wird behandelt?

Ein wichtiger Behandlungsansatz ist die sogenannte Entlordosierung, das heißt die Reduzierung des Hohlkreuzes. Denn je weniger der Patient eine Hohlkreuzstellung einnimmt, desto weiter ist sein Lendenwirbelkanal. Entlordosierung kann zum Beispiel durch spezielle krankengymnastische Übungen oder auch durch Mieder und Rückenbandagen erreicht werden. Ergänzend kommen schmerzhemmende und muskelentspannende Medikamente, Injektionen, Akupunktur, Neuraltherapie und Elektrobehandlungen zum Einsatz. Hilfreich sind Wärme zur Muskelentspannung und die sogenannte Stufenbettlagerung.

Dabei legt der Patient in Rückenlage seine Beine so auf einem Schemel ab, dass zwischen Oberund Unterschenkel ungefähr ein 90-Grad-Winkel entsteht. Manchmal können Hilfsmittel, wie zum Beispiel Stock oder Rollator, dazu beitragen, die Gehfähigkeit zu verbessern. Sollten diese Maßnahmen zu keiner Besserung führen oder bereits Nervenschäden vorliegen, so muss eine operative Therapie in Erwägung gezogen werden.